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Portfolio-Rebalancing: So gehst du vor und so oft lohnt es sich

Rebalancing nach Kalender, nach Schwellenwert oder als Mischform: was jede Variante wirklich kostet und wie du Abweichungen mit neuem Geld korrigierst, statt deine Gewinner zu verkaufen.
Portfolio-Rebalancing: So gehst du vor und so oft lohnt es sich
Aus deinem 60/40 ist ein 68/32 geworden. Wenn du das durch Verkäufe korrigierst, kostet dich das echtes Geld. Wenn du es mit dem Geld korrigierst, das du ohnehin investieren wolltest, kostet es fast nichts.
Rebalancing heißt, ein Portfolio wieder auf die Aufteilung zu bringen, die du dir vorgenommen hast. Dieser Artikel geht davon aus, dass du schon weißt, dass dein Portfolio abgewichen ist. Wenn du die Lücke erst messen willst, fang mit der Abweichung im Portfolio an. Hier geht es darum, was du dagegen tust, wie oft und was dich jeder Weg kostet.
Für alle verständlich. Zwei Rechenbeispiele in Euro, beide mit vollständigem Rechenweg. Wenn du jeden Monat in dein Portfolio einzahlst, ist vor allem der Abschnitt über Rebalancing mit neuem Geld für dich interessant.

Wozu überhaupt?

Das sollte man vorab klar sagen, denn viele Texte über Rebalancing versprechen zu viel.

Rebalancing dient der Risikokontrolle, es ist kein Renditebooster. Die Geschichte, dass es mechanisch „teuer verkauft und günstig kauft“ und deshalb die Rendite erhöht, hält einem Blick auf die Daten nicht stand. Über lange Phasen, in denen Aktien besser liefen als Anleihen, hat das Umschichten in Anleihen die Rendite gesenkt, genau wie man es erwarten würde. Was Rebalancing zuverlässig leistet: Es verhindert, dass dein Portfolio unbemerkt riskanter wird, als du es geplant hattest.

Ein 60/40-Portfolio, das du ein Jahrzehnt mit starken Aktienmärkten lang sich selbst überlässt, bleibt nicht bei 60/40. Es wird zu 80/20. Wie sich das anfühlt, merkst du dann im nächsten Abschwung und nicht schon bei der Planung.

Die drei Rhythmen

Nach Kalender

Du wählst einen Termin, prüfst ein- oder zweimal im Jahr und korrigierst, was sich verschoben hat. Das ist einfach und erfordert keine laufende Beobachtung. Die Schwäche: Du reagierst auf Abweichungen, die gar keine Reaktion brauchen, und verpasst Abweichungen, die zwischen zwei Terminen entstehen.

Nach Schwellenwert

Hier ignorierst du den Kalender und handelst, sobald ein Teil um mehr als eine festgelegte Bandbreite vom Ziel abweicht. Üblich sind fünf Prozentpunkte. Die Forschung von Vanguard kam zu dem Schluss, dass eine jährliche oder halbjährliche Kontrolle mit einer Schwelle von 5 % für die meisten breit gestreuten Portfolios gut funktioniert (Vanguard, Studie zum Rebalancing, zusammengefasst von Fidelity und anderen).

Die Stärke: Diese Methode reagiert auf das, was tatsächlich passiert ist. Die Schwäche: Du musst regelmäßig hinsehen.

Hybrid

Du prüfst nach einem festen Rhythmus, handelst aber nur, wenn die Bandbreite überschritten ist. So verbindest du die Disziplin eines festen Termins mit der Zurückhaltung einer Schwelle und sparst dir Trades in Jahren, in denen sich kaum etwas bewegt hat. Auf diesen Ansatz laufen die meisten Empfehlungen aus der Praxis hinaus.

Welchen der drei Rhythmen du wählst, ist viel weniger wichtig, als überhaupt einen zu haben. Das eigentliche Problem ist nicht der falsche Rhythmus, sondern gar kein Rebalancing. Dann siehst du deine tatsächliche Aufteilung erst mitten in einem Crash.

Rebalancing mit neuem Geld

Diesen Weg lassen die meisten Artikel aus. Für alle, die noch einzahlen, ist er meist der bessere.

Statt zu verkaufen, was gewachsen ist, lenkst du deine nächsten Einzahlungen in das, was zurückgeblieben ist. Ohne Verkauf gibt es keinen realisierten Gewinn, keinen steuerpflichtigen Vorgang und keine Kosten außer denen, die du beim Kaufen ohnehin zahlst.

Ein Rechenbeispiel

Du hast EUR 100.000 investiert, dein Ziel ist 60/40, aktuell liegst du bei 68/32:

Aktien:   EUR 68.000 (68 %)
Anleihen: EUR 32.000 (32 %)

Du bist bei Aktien um 8 Prozentpunkte übergewichtet. Du zahlst jeden Monat EUR 2.500 ein und steckst alles davon in Anleihen.

Wie viel neues Geld brauchst du, um die Lücke komplett zu schließen? Die Aktien bleiben bei EUR 68.000, und diese sollen 60 % des Gesamtwerts ausmachen:

68.000 / 0,60 = EUR 113.333 gesamt
113.333 - 100.000 = EUR 13.333 an neuem Geld

Zur Probe: Die Anleihen kommen auf 32.000 + 13.333 = EUR 45.333, und das sind 40 % von 113.333. Passt.

Bei EUR 2.500 im Monat dauert das etwas mehr als fünf Monate. Zwischenstand nach drei Einzahlungen:

Aktien:     68.000 / 107.500 = 63,3 %
Abweichung: +3,3 Punkte, vorher +8
Ehrlich gesagt hat diese Methode Grenzen: Sie ist langsamer als ein Verkauf und funktioniert nur, wenn deine Einzahlungen im Verhältnis zum Portfolio ins Gewicht fallen. Bei einem Portfolio von EUR 500.000 schließen EUR 2.500 im Monat eine Lücke von 8 Punkten in keinem sinnvollen Zeitraum. Je größer dein Portfolio im Verhältnis zu dem wird, was du dazugibst, desto eher wirst du irgendwann doch etwas verkaufen müssen.

Was ein Verkauf wirklich kostet

Nimm dasselbe Portfolio und korrigiere es stattdessen sofort. Du verkaufst Aktien für EUR 8.000 und kaufst Anleihen für EUR 8.000.

Angenommen, der Spread liegt bei 0,1 %, die Ordergebühr bei EUR 5 pro Trade und der Einstandswert der verkauften Aktien bei EUR 5.000. Der Verkauf realisiert also einen Gewinn von EUR 3.000. Wir rechnen beispielhaft mit einem Steuersatz von 20 % (dein tatsächlicher Satz hängt ganz davon ab, wo du steuerlich ansässig bist):

KostenBetrag
Spread auf EUR 8.000EUR 8
Ordergebühr, zwei TradesEUR 10
Steuer auf EUR 3.000 realisierten Gewinn bei beispielhaften 20 %EUR 600
GesamtEUR 618

Die Steuer macht 97 % der Kosten aus. Genau deshalb lohnt es sich, den Weg über neues Geld zu kennen: Die Handelsgebühren sind vernachlässigbar, der realisierte Gewinn ist es nicht.

Das Beispiel zeigt auch, wann die Rechnung kippt. In einem steuerbegünstigten Konto gibt es keinen Gewinn, der versteuert werden müsste. Dort kostet der Verkauf EUR 18, und das Argument, fünf Monate zu warten, ist weitgehend hinfällig.

Die Reihenfolge, die sich bewährt hat

Das ist gängige Praxis, keine feste Regel, und es ergibt sich aus der Rechnung oben:

1

Miss die Lücke, bevor du irgendetwas entscheidest. Eine Abweichung von 2 Punkten ist meist keinen Trade wert.

2

Lenk zuerst neue Einzahlungen um. Das kostet nichts, löst keine Steuer aus und nutzt Geld, das ohnehin investiert worden wäre.

3

Schichte dann in steuerbegünstigten Konten um. Ein Verkauf kostet dort den Spread und die Ordergebühr, sonst nichts.

4

Verkaufe in steuerpflichtigen Konten zuletzt, denn nur dieser Schritt löst eine Steuerrechnung aus.

5

Prüf gleichzeitig, ob du Verluste hast, die sich zu realisieren lohnen, denn du handelst ja ohnehin. Mehr dazu unter Tax-Loss-Harvesting.

Wie Turbobulls hilft

Du kannst für eine Position eine Zielgewichtung festlegen. Die Karte „Against your targets“ („Gemessen an deinen Zielen“) im Bereich Allocation (Aufteilung) zeigt dir dann die Abweichung zwischen diesem Ziel und der aktuellen Gewichtung der Position, in Prozentpunkten. Die App ist vorerst auf Englisch. Eine Abweichung unter einem Punkt bleibt grau. Darüber wird sie farbig: orange, wenn eine Position über ihrem Ziel liegt, und blau, wenn sie darunter liegt. Rot ist bewusst nicht dabei, denn zwischen zwei Rebalancings vom Ziel abzuweichen ist normal.

Für das Rebalancing mit neuem Geld, also die Methode von oben, übernimmt dieselbe Karte die Rechnung. Gib im Feld „Investing this month?“ („Investierst du diesen Monat?“) ein, wie viel du diesen Monat investierst. Die Karte verteilt den Betrag dann auf die Positionen unter ihrem Ziel, im Verhältnis dazu, wie weit jede zurückliegt, und nie über ein Ziel hinaus. Sie plant nur Käufe, und die Aufteilung ist ein Vorschlag: Gekauft wird für dich nichts.

Gemessen an deinen Zielen

5 Positionen haben ein Ziel, zusammen 71% des Portfolios. Du hast €6.400 Guthaben bei deinen Brokern.

PositionJetzt und ZielJetztZielAbstandKauf
VWRL Vanguard FTSE All-World46,2%50,0%-3,8 Pp.€308etwa 2,54 Stück46,2% von 50,0%€308 kaufen
SXR8 iShares Core S&P 5007,2%10,0%-2,8 Pp.€201etwa 0,27 Stück7,2% von 10,0%€201 kaufen
MSFT Microsoft3,2%4,0%-0,8 Pp.€58etwa 0,15 Stück3,2% von 4,0%€58 kaufen
BTC Bitcoin3,6%4,0%-0,4 Pp.€33etwa 0,00036 BTC3,6% von 4,0%€33 kaufen
TSLA Tesla3,5%3,0%+0,5 Pp.3,5% von 3,0%+0,5 Pp.

Die Markierung auf jedem Balken ist das Ziel. Klick auf ein Ziel, um es zu ändern. Das Geld wird danach aufgeteilt, wie weit jede Position unter ihrem Ziel liegt, und kein Kauf geht über ein Ziel hinaus. Es ist ein Vorschlag.

Die Karte „Gemessen an deinen Zielen“ im Bereich Allocation, mit Beispieldaten. Ändere die EUR 600 bei „Investierst du diesen Monat?“, um zu sehen, wohin das Geld fließen würde.

Für die Kostenseite der Entscheidung wird der Einstandswert pro Kauf (Lot) erfasst. Du siehst also, was ein bestimmter Kauf gekostet hat, statt eines Durchschnitts über alle Anteile, die du besitzt. Genau diese Zahl entscheidet, wie hoch der Gewinn ist, den ein Verkauf realisieren würde. Auch realisierte und nicht realisierte Gewinne werden getrennt ausgewiesen, pro Position und in jedem Tarif.

Die Aufteilung nach Anlageart, Broker, Währung und Tag gibt es in jedem Tarif. So siehst du die Struktur deines Portfolios über alle Broker hinweg statt Konto für Konto. Die Aufteilung nach Sektor, Branche, Land und Region gibt es in einem kostenpflichtigen Tarif.

Zwei Grenzen, offen gesagt, und gerade für diesen Artikel sind sie wichtig. Ziele legst du pro Position fest, nicht pro Anlageklasse. Ein Ziel wie „60 % Aktien“ kann Turbobulls also nicht verfolgen. Außerdem schlägt Turbobulls nur Käufe mit neuem Geld vor: Es schlägt nie einen Verkauf vor, platziert keine Orders und automatisiert nichts. Was du verkaufst, entscheidest allein du. Turbobulls liefert dir dafür ein genaues Bild als Grundlage.

Sieh die Lücke und was es kostet, sie zu schließen

Zielgewichtungen, Abweichung in Prozentpunkten und Einstandswert pro Kauf. So weißt du, welchen Gewinn ein Rebalancing-Trade tatsächlich realisieren würde, bevor du ihn ausführst.
Zu deinem Portfolio

Das ganze Bild: Lies als Nächstes

Häufige Fragen

F: Wie oft ist sinnvoll?

Ein- oder zweimal im Jahr reicht für die meisten Portfolios. Wer häufiger prüft, produziert vor allem Trades, die er gar nicht gebraucht hätte. Die Forschung kommt übereinstimmend auf eine jährliche oder halbjährliche Kontrolle mit einer Bandbreite von etwa 5 Prozentpunkten. Gehandelt wird nur, wenn diese Bandbreite überschritten ist.

F: Verbessert Rebalancing die Rendite?

Nicht zuverlässig. Es kontrolliert das Risiko. In Phasen, in denen die renditestärkere Anlage weiter vorn liegt, senkt das Umschichten weg von ihr deine Rendite. Das ist der Preis dafür, bei dem Risiko zu bleiben, das du gewählt hast. Wer Rebalancing als Renditestrategie verkauft, übertreibt.

F: Sollte ich während eines Crashs rebalancen?

In einem Crash schlägt eine Schwellenregel am stärksten an, weil sich die Aufteilung dann am meisten verschiebt. Gleichzeitig fühlt es sich genau dann am unangenehmsten an, die gefallene Anlage nachzukaufen. Genau deshalb legst du deinen Rhythmus vorab fest: damit diese Frage beantwortet ist, bevor du mittendrin steckst, und nicht erst währenddessen.

F: Und die Steuern?

Ein Verkauf in einem steuerpflichtigen Konto realisiert einen Gewinn, und wie das Rechenbeispiel zeigt, sind das meist die größten Kosten beim Rebalancing. Die Regeln unterscheiden sich von Land zu Land. In den Grundlagen zur Steuer auf Kursgewinne liest du, wie Veräußerungen funktionieren. Prüf außerdem die Regeln, die für dich gelten, oder frag einen Steuerberater.

Turbobulls ist ein Tracking- und Analyse-Tool, kein Anlageberater. Nichts hier ist Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Investieren ist mit Risiken verbunden, einschließlich des Verlusts des eingesetzten Kapitals. Recherchiere selbst oder wende dich an eine zugelassene Fachperson.

Rebalancing mit echten Zahlen

Turbobulls zeigt dir, was abgewichen ist, um wie viel und was jeder Kauf gekostet hat. So beginnt deine Entscheidung zum Rebalancing bei deiner tatsächlichen Lage statt bei einer Schätzung.

  • Zielgewichtung pro Position, mit der Abweichung in Prozentpunkten
  • Einstandswert pro Kauf (Lot), damit du weißt, was ein Verkauf realisieren würde
  • Aufteilung nach Anlageart, Broker, Währung und Tag in jedem Tarif
  • Realisierte und nicht realisierte Gewinne getrennt, pro Position, in jedem Tarif
  • Mehrere Broker und Währungen, von Haus aus berücksichtigt
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