Steuer auf Kursgewinne: die Grundlagen für Anleger
Der Auslöser ist die Realisierung
Fangen wir mit dem beruhigenden Teil an. Genau den kennen die meisten nicht, die besorgt nach diesem Thema suchen.
Die Steuer auf Kursgewinne knüpft in der Regel an die Realisierung an: Sie fällt an, wenn du einen Vermögenswert veräußerst, nicht solange du ihn hältst. Eine Position, die sich verdreifacht hat und unangetastet im Depot liegt, hat keinen steuerpflichtigen Gewinn erzeugt. Der Buchgewinn ist kein Einkommen, solange du ihn nicht in etwas anderes umwandelst.
Deshalb ist der Unterschied zwischen realisierten und nicht realisierten Gewinnen zuerst ein steuerlicher Begriff und erst danach einer der Performance.
Zwei Einschränkungen solltest du dabei klar vor Augen haben. Manche Länder besteuern Anlagevermögen auf anderem Weg, etwa mit einer jährlichen Abgabe auf deine Bestände. „Kein Verkauf, keine Steuer“ beschreibt also, wie die Steuer auf Kursgewinne funktioniert. Es ist kein Versprechen für deine gesamte Steuerlast. Außerdem ist eine Veräußerung mehr als ein Verkauf: Wechselst du von einem Fonds in einen anderen oder wirst du bei einer Übernahme ausbezahlt, ist das meist ebenfalls eine Veräußerung, auch wenn es sich nicht wie ein Verkauf anfühlt.
Worauf der Gewinn berechnet wird
Der Gewinn ist das, was du erhalten hast, minus das, was dich der Kauf gekostet hat. Abziehbare Kosten zählen dabei auf beiden Seiten mit.
Ein Rechenbeispiel
Du kaufst 100 Aktien zu EUR 40 und zahlst EUR 10 Provision. Später verkaufst du alle zu EUR 62 und zahlst wieder EUR 10.
Kosten: (100 x 40) + 10 = EUR 4.010
Erlös: (100 x 62) - 10 = EUR 6.190
Gewinn: 6.190 - 4.010 = EUR 2.180
Die Gebühren wirken in entgegengesetzte Richtungen: Die Kaufgebühr erhöht deine Kosten, die Verkaufsgebühr senkt deinen Erlös. Beide verringern den Gewinn, und beide werden leicht vergessen. Deshalb setzen viele ihre Steuerschuld regelmäßig zu hoch an.
Die drei Faktoren, die das Ergebnis verändern
Welche Tranche du verkauft hast
Hast du dieselbe Aktie mehrmals zu unterschiedlichen Kursen gekauft, ist „Ich habe 100 Aktien verkauft“ so lange unklar, bis du sagst, welche 100.
Du kaufst 100 Stück zu EUR 40, später noch einmal 100 zu EUR 55, und verkaufst dann 100. Je nachdem, welche Tranche du verkauft hast, liegen deine Kosten bei EUR 4.000 oder EUR 5.500, und der Gewinn unterscheidet sich entsprechend um EUR 1.500. Die Länder schreiben eine Methode vor: First in, first out (was zuerst gekauft wurde, gilt als zuerst verkauft), gewichtete Durchschnittskosten oder gelegentlich die freie Wahl der Tranche.
Deshalb muss der Einstandswert pro Tranche erfasst werden und nicht als eine einzige Mischzahl. Fehlt dieses Detail einmal, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, welchen Kauf du verkauft hast.
Haltedauer
Manche Systeme besteuern weniger, je länger du eine Position gehalten hast. Andere machen gar keinen Unterschied. Beide Ansätze sind in Europa verbreitet, und die zwei Beispiele unten stehen zufällig für je einen davon. Ein nützlicher Zufall.
Währung
Hier stolpern viele europäische Anleger, und fast nichts, was für ein breites Publikum geschrieben wird, erklärt es.
Kaufst du einen Vermögenswert, der in einer Fremdwährung notiert, wird dein Gewinn in deiner Währung gemessen. Der Vermögenswert kann in seiner eigenen Währung keinen Cent zugelegt haben und trotzdem einen steuerpflichtigen Gewinn bringen.
Du kaufst 100 Aktien eines US-Unternehmens zu USD 100, als der Kurs bei 1,20 Dollar pro Euro liegt. Später verkaufst du sie zu unveränderten USD 100, als der Kurs bei 1,05 liegt.
Kosten: 100 x (100 / 1,20) = EUR 8.333
Erlös: 100 x (100 / 1,05) = EUR 9.524
Gewinn: EUR 1.190 (+14,3 %)
Die Aktie hat sich nicht bewegt. Der Dollar ist stärker geworden, und in Euro gerechnet hast du EUR 1.190 verdient. Das ist ein echter Gewinn und möglicherweise steuerpflichtig. In unserem Artikel zum Währungsgewinn erfährst du, wie du ihn getrennt von der Wertentwicklung des Vermögenswerts selbst siehst.
Die praktische Folge: Der Wechselkurs am Handelstag jeder Transaktion gehört zu deinen Steuerunterlagen. Er ist keine optionale Verfeinerung.
Die Steuersätze unterscheiden sich in Europa enorm
Eine europäische Steuer auf Kursgewinne gibt es nicht, nur nationale. Und die unterscheiden sich stärker, als die meisten erwarten. Deshalb kann derselbe Trade zu völlig unterschiedlichen Steuerbeträgen führen, je nachdem, wo du steuerlich ansässig bist.
Nimm den Gewinn von EUR 2.180 aus dem Rechenbeispiel oben.
Deutschland
Auf Kapitalerträge wird pauschal eine Steuer von 25 % direkt einbehalten (Abgeltungsteuer), dazu kommen 5,5 % Solidaritätszuschlag. Zusammen ergibt das 26,375 %, für Kirchenmitglieder kommt noch die Kirchensteuer hinzu. Pro steuerpflichtiger Person gibt es einen jährlichen Freibetrag (Sparer-Pauschbetrag) von EUR 1.000, für zusammen veranlagte Ehepaare das Doppelte. Zwischen kurzer und langer Haltedauer wird nicht unterschieden (PwC Worldwide Tax Summaries, Deutschland, geprüft am 30. März 2026).
Gewinn: EUR 2.180
Abzüglich Freibetrag: EUR 1.000
Steuerpflichtig: EUR 1.180
Steuer zu 26,375 %: EUR 311
Rumänien
Der allgemeine Steuersatz auf Netto-Kursgewinne liegt bei 16 %. Läuft die Übertragung aber über einen rumänischen Finanzintermediär, wird die Steuer direkt einbehalten: 3 % für Wertpapiere, die länger als 365 Tage gehalten wurden, und 6 % für Wertpapiere, die 365 Tage oder kürzer gehalten wurden. Brokergebühren sind abziehbar. Privatpersonen geben ihre Gewinne in einer jährlichen Steuererklärung an, die bis zum 25. Mai des Jahres nach der Transaktion fällig ist. Oberhalb einer Einkommensgrenze können außerdem Beiträge zur Krankenversicherung anfallen (PwC Worldwide Tax Summaries, Rumänien, geprüft am 30. März 2026).
Länger als 365 Tage gehalten, 3 %: EUR 65
365 Tage oder kürzer gehalten, 6 %: EUR 131
Die Unterlagen, die du brauchst
Jetzt zum praktischen Teil. Die Liste ist dieselbe, egal in welchem Land du steuerpflichtig bist.
Handelstage. Für den Kauf und den Verkauf. Davon hängt die Haltedauer ab, und auch der Wechselkurs, den du ansetzt.
Kosten pro Tranche. Kein Mischdurchschnitt über alles, was du besitzt. Welchen Kauf du verkauft hast, verändert den Gewinn.
Der Wechselkurs an jedem Handelstag, für alles, was nicht in deiner eigenen Währung notiert.
Gebühren auf beiden Seiten. Sie mindern den Gewinn und werden regelmäßig vergessen.
Bereits einbehaltene Quellensteuer auf Dividenden. Diese Steuer hast du schon gezahlt, und sie kann auf das angerechnet werden, was du schuldest.
Kapitalmaßnahmen, vor allem Aktiensplits. Sie verändern deine Stückzahl und deinen Einstandskurs, ohne dass du selbst etwas getan hast. Mehr dazu unter Aktiensplits erklärt.
So führt Turbobulls diese Unterlagen
Turbobulls erfasst den Einstandswert pro Tranche. Jeder Kauf behält also seinen eigenen Kurs und sein eigenes Datum, statt in einem Durchschnitt aufzugehen. Positionen in mehreren Währungen verarbeitet Turbobulls von Haus aus, in über 30 Währungen und mit dem Wechselkurs vom Handelstag. Genau auf diese Zahl kommt es im Währungsbeispiel oben an. Bei Dividendentransaktionen wird die an der Quelle einbehaltene Steuer mit erfasst.
Außerdem zerlegt Turbobulls einen Gewinn in seinen Kurs- und seinen Währungsanteil. Die EUR 1.190 aus dem Beispiel oben erscheinen also als Währungsgewinn, statt in einer einzigen Zahl unterzugehen. Diese Aufteilung gibt es in einem kostenpflichtigen Tarif, der die Investment-Seite umfasst. Die Aufteilung in realisierte und nicht realisierte Gewinne, pro Position und für das ganze Portfolio, ist dagegen in jedem Tarif enthalten.
So setzt sich deine Rendite zusammen
Seit dem ersten KaufWenn du Unterlagen an deine Steuerberatung weitergeben willst: Der Export ist in jedem Tarif verfügbar, auch im kostenlosen, und steht nie hinter einer Bezahlschranke.
Die Unterlagen, die deine Steuerberatung braucht
Das ganze Bild: Hier liest du weiter
Realisierte vs. nicht realisierte Gewinne - der Unterschied, auf dem die ganze Steuer beruht
Währungsgewinn - den Wechselkurseffekt von der Rendite des Vermögenswerts selbst trennen
Kosteneffizienz - was Gebühren und Steuern mit der Zeit übrig lassen
Aktiensplits - die Kapitalmaßnahme, die deinen Einstandskurs verändert
Häufige Fragen
F: Zahle ich Steuern, wenn ich nicht verkaufe?
In einem System, das Kursgewinne erst bei der Realisierung besteuert, nein. Die Steuer entsteht bei der Veräußerung. Denk aber daran, dass manche Länder Anlagevermögen auf anderem Weg besteuern. Diese Antwort betrifft also nur die Steuer auf Kursgewinne, nicht deine gesamte steuerliche Situation.F: Und was ist mit Dividenden?
Dividenden werden meist bei Zufluss als Kapitalertrag besteuert, getrennt von Gewinnen aus Verkäufen. Oft wird die Steuer schon an der Quelle einbehalten, bevor das Geld bei dir ankommt. Diese Quellensteuer gehört in deine Unterlagen, weil sie auf das angerechnet werden kann, was du im Heimatland schuldest.F: Zählt ein Fondswechsel als Verkauf?
Meistens ja. Verkaufst du einen Fonds, um einen anderen zu kaufen, veräußerst du den ersten. Das gilt auch dann, wenn das Geld dein Depot nie verlassen hat und es sich eher wie eine Umschichtung anfühlt als wie ein Verkauf. Das überrascht viele, die zwischen Fonds wechseln, um Kosten zu sparen, und dann feststellen, dass sie damit einen steuerpflichtigen Vorgang ausgelöst haben.F: Was, wenn ich mit Verlust verkauft habe?
Verluste mindern in der Regel die Gewinne, die du versteuern musst. Welche Verluste mit welchen Gewinnen verrechnet werden dürfen und ob nicht genutzte Verluste vorgetragen werden können, ist aber von Land zu Land verschieden. Das solltest du gezielt prüfen. Wie Anleger das bewusst nutzen, liest du unter Tax-Loss-Harvesting.Turbobulls ist ein Tracking- und Analyse-Tool, kein Anlageberater. Nichts hier ist Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Investieren ist mit Risiken verbunden, einschließlich des Verlusts des eingesetzten Kapitals. Recherchiere selbst oder wende dich an eine zugelassene Fachperson.
Damit die Zahlen dahinter stimmen
Turbobulls führt die Aufzeichnungen, auf denen die Berechnung der Steuer auf Kursgewinne beruht: welche Tranche du verkauft hast, was sie gekostet hat, an welchem Tag und zu welchem Wechselkurs.
- Einstandswert pro Tranche, mit dem jeweiligen Kaufdatum
- Über 30 Währungen, umgerechnet zum Wechselkurs vom Handelstag
- Kursgewinn getrennt vom Währungsgewinn, in einem kostenpflichtigen Tarif
- Quellensteuer auf Dividenden für jede Zahlung erfasst
- Export in jedem Tarif, auch im kostenlosen, nie hinter einer Bezahlschranke
Anleitungen wie diese per E-Mail
Eine wichtige Kennzahl fürs Investieren - verständlich und gründlich erklärt. Der Newsletter erscheint auf Englisch. Du kannst dich jederzeit mit einem Klick abmelden.
Weiterlesen
Quellensteuer auf Dividenden erklärt
Warum deine Dividende kleiner ankommt als angekündigt, welchen Teil der Steuer du tatsächlich senken kannst und welcher Teil in deinen Fonds versteckt ist.
Tax-Loss-Harvesting erklärt für Anleger in der EU
Wie du Verluste mit Gewinnen verrechnest, ein Rechenbeispiel in Euro und warum die US-Ratschläge zur Wash-Sale-Regel, die du überall liest, bei dir womöglich nicht gelten.
Checkliste zum Jahresende für Anleger
Was du prüfen solltest, bevor dein Steuerjahr endet: realisierte Gewinne, nicht realisierte Verluste, Quellensteuer auf Dividenden, Währungsgewinne und ob dein Einstandswert stimmt.