Sharpe-Ratio erklärt: Wirst du für dein Risiko angemessen belohnt?
Die Definition in einem Satz
Die Sharpe-Ratio fragt: Wie viel zusätzliche Rendite hast du für jede Einheit Risiko, die du eingegangen bist, über das hinaus verdient, was dir Bargeld gebracht hätte?
Höher = besser. Du willst den größten Ertrag bei möglichst wenig Auf und Ab.
Turbobulls berechnet die Sharpe-Ratio automatisch, ganz ohne Tabellen. Im Dashboard ansehen →
Die Grundidee: Ertrag gegen Schwankungen
Stell dir zwei Portfolios vor, die das Jahr beide mit 15 % im Plus beendet haben:
Portfolio A: ruhige Fahrt
Ging gleichmäßig nach oben: +1 % in einem Monat, +2 % im nächsten, nie mehr als 1 % im Minus. Vom Markt hast du kaum etwas mitbekommen.Portfolio B: Achterbahn
Schwankte wild: +20 %, -15 %, +25 %, -10 %, dann kroch es zurück auf +15 %. Du hast 50-mal am Tag aufs Handy geschaut.Beide sind am selben Punkt angekommen. Portfolio A hat diese Rendite aber mit viel weniger Stress geliefert. Die Sharpe-Ratio belohnt Portfolio A und bestraft Portfolio B.
Die Schwankungen sind die Volatilität, also wie stark deine Renditen um ihren Durchschnitt pendeln. Der Ertrag ist das, was du über dem risikofreien Zins verdient hast (also über dem, was Bargeld auf einem Sparkonto bringen würde).
Was das Label Portfolio bedeutet
In Turbobulls trägt jede Kennzahl ein kleines Label, das dir zeigt, aus welchen Daten sie berechnet wird. Die Sharpe-Ratio trägt das Label Portfolio. Die App ist vorerst auf Englisch.
Das heißt, sie betrachtet nur deine investierten Positionen: Aktien, ETFs, Anleihen, Fonds, Krypto, alles, was bei einem Broker liegt. Bewusst außen vor lässt sie:
- Dein Bargeld in der Wallet und deine Sparkonten
- Deine Schulden
- Einnahmen und Ausgaben, die durch deine Wallet fließen
- Alles außerhalb deiner erfassten Aktivität bei Brokern
Warum? Weil die Sharpe-Ratio eine Kennzahl für die Performance deiner Geldanlagen ist. Wenn du Bargeld in deine Wallet einzahlst, wird deine Aktienauswahl dadurch weder besser noch schlechter. Der Bereich Portfolio sorgt dafür, dass das Ergebnis nicht verfälscht wird.
So liest du die Zahl
Auf genaue Bereiche hat sich die Branche nicht geeinigt, aber hier ist eine praktische Orientierung:
| Sharpe | Was sie meistens bedeutet |
|---|---|
| < 0 | Negativ. Du hast weniger verdient, als Bargeld gebracht hätte - und dafür auch noch Schwankungen ertragen. |
| 0 bis 1 | Akzeptabel, aber nicht großartig. Etwa das liefert der Markt in den meisten Jahren. |
| 1 bis 2 | Gut. Dein Ertrag liegt deutlich über deinen typischen Auf- und Abschwüngen. |
| 2 bis 3 | Sehr gut. Für ein ganzes Portfolio über mehrere Jahre selten. |
| > 3 | Außergewöhnlich. Meist nur in kurzen Zeitfenstern zu sehen, bei Strategien mit geringer Volatilität oder wenn irgendwo ein Hebel versteckt ist. |
Einfach gesagt: > 1 heißt, die zusätzliche Rendite, die du über Bargeld hinaus verdienst, ist größer als deine typischen Auf- und Abschwünge. Du wirst für mehr bezahlt als für die Schwankungen, die du aushältst.
Deine Sharpe-Ratio, automatisch aktualisiert
Was der „risikofreie Zins“ bedeutet
Die Sharpe-Ratio braucht eine Basis: eine Rendite, die du ganz ohne Risiko hättest erzielen können. Diese Basis ist der „risikofreie Zins“.
In der Praxis ist das die Rendite kurzfristiger Staatsanleihen oder eines gut verzinsten Tagesgeldkontos. Die Idee: Bringt eine „risikofreie“ Geldanlage 4 % im Jahr, müssen Aktien mit ihrer Volatilität diese 4 % deutlich genug übertreffen, damit es sich lohnt. Tun sie das nicht, wärst du mit Bargeld besser gefahren.
Turbobulls rechnet mit 4 % als risikofreiem Zins. Das ist ein vernünftiger langfristiger Durchschnitt für sichere kurzfristige Renditen: nicht so hoch, dass er Aktienanleger in normalen Jahren bestraft, und nicht so niedrig, dass alles großartig aussieht.
So berechnet Turbobulls deine Sharpe-Ratio
Ganz einfach gesagt: Turbobulls schaut sich an, wie sich die Rendite deines Portfolios über die Zeit verhalten hat - gleichmäßig oder unruhig? - und bewertet damit, ob die Höhe deiner Rendite die Stärke der Schwankungen rechtfertigt. Du musst nichts tun, sie aktualisiert sich jedes Mal, wenn du eine Transaktion erfasst.
Du findest sie mit einem kostenpflichtigen Tarif in der Overview (Übersicht) auf der Karte All figures (alle Kennzahlen), unter Risk (Risiko). Wie der Rest der Karte gilt sie für den Zeitraum, den du oben in der Overview gewählt hast.
Sharpe = ( avg(annualisierte MWR) − 0,04 ) / stdDev(annualisierte MWR)
Werte der annualisierten MWR sammeln. Jeder Messpunkt im gewählten Zeitraum liefert einen Wert der annualisierten MWR für die Berechnung.
Die typische Rendite ermitteln. Bilde den Durchschnitt dieser Werte. Das ist deine typische Jahresrendite.
Die Schwankungen ermitteln. Berechne die Standardabweichung, also wie stark diese Renditen um den Durchschnitt geschwankt haben.
Bargeld abziehen, durch die Schwankungen teilen. Ziehe 4 % (den risikofreien Zins) vom Durchschnitt ab und teile das Ergebnis durch die Standardabweichung. Heraus kommt deine Sharpe-Ratio.
Volatilität ist nicht dasselbe wie Risiko
Das ist die große Schwäche der Sharpe-Ratio: Sie geht davon aus, dass jede Volatilität schlecht ist. Dabei sind Schwankungen nach oben genau das, was du willst.
Eine Aktie, die sich verdoppelt, dann noch einmal verdoppelt und dann noch einmal - selbst mit großen Schwankungen unterwegs - ist wunderbar. Die Sharpe-Ratio wertet sie trotzdem wegen der großen Ausschläge ab, obwohl jeder Ausschlag unterm Strich positiv war.
Für langfristige Anleger, die nicht bald verkaufen müssen, kann die Sharpe-Ratio wachstumsstarke Anlagen unfair abstrafen. Nützlicher ist sie, wenn dir der Weg wirklich wichtig ist: im Ruhestand mit regelmäßigen Entnahmen, beim Festlegen von Positionsgrößen im Trading oder generell bei einem kurzen Anlagehorizont.
Vergleichswerte aus der Praxis
Ein paar grobe Sharpe-Werte aus der Praxis, an denen du dich orientieren kannst:
| Strategie / Index | Typische Sharpe-Ratio |
|---|---|
| S&P 500 (langfristig) | 0,5 - 0,7 |
| Ausgewogenes 60/40-Portfolio | 0,5 - 0,8 |
| Spitzen-Hedgefonds in einem guten Jahr | 1 - 2 |
| Renaissance Medallion (berühmter Ausreißer) | >2, dauerhaft |
| S&P kaufen und halten, ohne Rebalancing | ~0,5 |
Liegt die Sharpe-Ratio deines Portfolios dauerhaft über 1, schneidest du besser ab als die meisten professionellen Vergleichsmaßstäbe. Liegt sie über 2, prüfe deine Rechnung noch einmal - oder deine Daten.
Wann die Sharpe-Ratio zählt - und wann du sie ignorieren kannst
- Du Strategien vergleichst. Zwei Portfolios mit ähnlicher Rendite? Dann entscheidet die Sharpe-Ratio, und weniger Stress gewinnt.
- Du einen Hebel beurteilst. Ein Hebel treibt die Rendite, aber auch die Volatilität. Die Sharpe-Ratio zeigt, ob sich die zusätzliche Rendite gelohnt hat.
- Dein Anlagehorizont kurz ist. Du brauchst das Geld in ein paar Jahren? Dann kannst du es dir nicht leisten, große Drawdowns auszusitzen.
- Du Fondsmanager beurteilst. Bei ähnlichen Renditen ist ein Manager mit hoher Sharpe-Ratio geschickter als einer, der nur eine hohe Rendite vorweist.
- Du Jahrzehnte Zeit hast. Für langfristige Anleger, die Zeit zur Erholung haben, ist Volatilität nur Rauschen.
- Dein Portfolio klein ist. Die Rechnung ist statistisch, und kleine Stichproben ergeben unzuverlässige Sharpe-Werte.
- Du illiquide Vermögenswerte hältst. Die ausgewiesene Volatilität ist künstlich niedrig, weil die Kurse selten aktualisiert werden.
- Du noch nicht lange erfasst. Die Sharpe-Ratio pendelt sich erst nach mehr als einem Jahr durchgehender Daten ein.
Das ganze Bild: Kombiniere die Sharpe-Ratio mit diesen Kennzahlen
Die Sharpe-Ratio sagt dir etwas über die Qualität deiner Renditen, aber nichts über ihre absolute Höhe oder die Richtung des Wachstums. Für das vollständige risikobereinigte Bild brauchst du mehrere Kennzahlen, die jeweils eine andere Frage beantworten:
Schluss mit dem Rätselraten, ob sich das Risiko gelohnt hat
Turbobulls berechnet Sharpe-Ratio, MWR, ROI und ein Dutzend weitere Performance-Kennzahlen automatisch aus deiner Transaktionshistorie. Immer aktuell. Keine Tabellen. Keine Formeln, die du dir merken musst.
- Automatische Sharpe-Ratio mit 4 % risikofreiem Zins als Basis
- Renditen nach Broker, Anlageart und Währung, im Portfolio
- Geldgewichtete Rendite neben der Sharpe-Ratio für das ganze Bild
- Vergleiche mit echten Benchmarks (S&P, Sektorindizes, eigene)
- Portfolios in mehreren Währungen, von Haus aus unterstützt
- Keine Rechenarbeit von Hand: Transaktion erfassen, aktualisierte Kennzahlen sehen
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